Ihre Arbeit war nicht vergeblich, als eine im Herrn geschehene

Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Wilhelm Niesel

Ihre Arbeit war nicht vergeblich, als eine im Herrn geschehene

Gedenkwort von Prof. Dr. Wilhelm Niesel am 9. April 1970 in der evangelischen Kirche in Flossenbürg

Liebe Gemeinde,

diese Stunde des Gedenkens ist für mich besonders bewegend. Als Dietrich Bonhoeffer im Frühjahr 1943 verhaftet wurde, war meine Person einer der Hauptpunkte der Anklage. Aber ich spreche hier nicht für mich selbst, sondern für den Bruderrat der evangelischen Kirche der altpreußischen Union. Wir hatten damals fünf Predigerseminare zur Zurüstung der jungen Mannschaft der Verkündiger Jesu Christi. Direktor eines dieser Seminare war Dietrich Bonhoeffer. Während der eine oder andere seiner Kollegen mitunter den Mut zu verlieren drohte in jener Zeit, war er immer fröhlich und voller Zuversicht am Werk, bis dahin, dass er Anfang des Krieges mit seinen Vikaren in die Wälder Hinterpommerns ging, um dort in einer Jagdhütte mit ihnen weiter zu arbeiten. Als das dann nicht mehr möglich war, hat er uns auf andere Weise geholfen, noch Anfang 1943 hat er in einer kleinen Kommission mitgeholfen, ein Gutachten zu erstellen über den sogenannten dritten Gebrauch des Gesetzes, d.h. über die Frage, wie Gottes heiliges Gesetz uns in dieser Welt, in der Welt, wie sie damals bei uns in Deutschland war, eine praktische Lebenshilfe sein konnte, wie wir uns da zurechtfinden konnten, was wir da tun mussten, angesichts all der Gräuel. Eine Synode unserer Kirche, die dann im Herbst zusammentrat, die letzte Bekenntnissynode in Deutschland überhaupt, hat das ausgewertet. Dietrich Bonhoeffer war nicht mehr dabei, er war inzwischen verhaftet. Was er damals zusammen mit uns erarbeitet hat über Gottes Gesetz als hilfreiche Lebensweisung, hat ihn dann schließlich hierher nach Flossenbürg gebracht. In diese Richtung sah er sich von daher gerufen. Er hat darüber zu uns nichts gesagt, wir konnten es nur ahnen, weil er uns nicht belasten wollte. Wir wollen das nicht vergessen, heute nicht vergessen in der Wirrnis unserer Zeit, dass wir von dort her, vom Worte Gottes, die wirkliche Hilfe und Wegweisung empfangen könnten. Und im Gedenken an Dietrich Bonhoeffer und all die anderen, seine engeren Freunde und Kampfgefährten, dürfen wir es uns sagen lassen aus dem neuen Testament, dass ihre Arbeit nicht vergeblich war, als eine im Herrn geschehene.






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